GALERIE HELGA BROLL
 
 
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Behauptungen ausstellen :: Haltungen einnehmen :: Strike a pose!
27. April - 30. Mai 2007


Präsentation von Mi. 16. Mai – Mo. 30. Mai 2007
Behauptungen ausstellen :: Haltungen einnehmen :: Strike a pose!
Eröffnung 16 Mai 19h
Helga Broll neben BILDWECHSEL
Kirchenallee 25, Hamburg Hauptbahnhof

Eine Kooperation der Galerie Helga Broll mit dem Institut für Queer Theory www.queer-institut.de und bildwechsel. Dachverband für Frauen / Medien / Kultur http://www.bildwechsel.org

Die Ausstellung befasst sich mit den Prozessen der Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit :: ihrer Gewaltförmigkeit, mit dem – produktiven – Scheitern an ihr und den Strategien des Unterlaufens geschlechtlicher Eindeutigkeit. Es werden künstlerische Positionen, Fragen und andere Ereignisse und Strategien des produktiven Scheiterns an den Anforderungen der Zweigeschlechtlichkeit vorgestellt und präsentiert.
Mit der Hilfe von Zeichen :: Sprachen :: Bildern verfolgen die Teilnehmer_innen die Konstruiertheit von Zweigeschlechtlichkeit, deren Ordnungen :: Vokabularien :: Referenzen ihre Verbindungen und Grenzen durch die Ausstellungsräume ziehen.
Gesucht :: postiert :: gefunden? werden die Körper, die als Fixpunkte und Austragungsflächen nicht glatt in den Normen der Zweigeschlechtlichkeit aufgehen können und wollen, sondern als Orte des Scheiterns Spuren hinterlassen und Zeichen setzen, die der Eindeutigkeit ein Schnippchen schlagen und wünschenswerterweise wahrscheinlich "das System" in Gefahr bringen.

Für die Beteiligten bedeutet die Beschäftigung innerhalb dieser Themenfelder einerseits eine Kritik an pathologisierenden und diskriminierenden Repräsentationen der Medizin, der Sexualwissenschaften und der Medien, insbesondere im Umgang mit Intersex- und Transgender-Körpern. Gleichzeitig aber feiern wir das freudige Aufmachen von Räumen, in denen ein Scheitern an der Norm zum produktiven Ereignis werden und der Körper als Normverletzung ein Ort subversiver Glücksempfindungen darstellen kann.
Wir wollen gleichzeitig persönlich werden und Wege finden, Systeme zu verletzen. Wir wollen mit Un/Sichtbarkeitswünschen arbeiten und Authentizität zum Thema machen.

Referenzpunkt der Ausstellung ist eine Fotoserie, die die Künstlerin Marianne Wex in den 70er Jahren unter dem Titel «“Männliche“ und „weibliche“ Körpersprache als Zeichen patriarchaler Machtverhältnisse» entwickelt hat. Ausgehend hiervon werden aktuelle Positionen und Arbeiten gezeigt und in Workshops entwickelt, die sich mit den Prozessen der Herstellung und des Unterlaufens geschlechtlicher Eindeutigkeit befassen.
Es werden außerdem verschiedene Zeitströmungen und ihre Diskurse repräsentiert, die politische und (sub)kulturelle Bedingtheiten als Material für künstlerische Produktion nutzen und ermöglichen.
Hierbei geht es darum, die Möglichkeiten von Haltungen und Posen als einzunehmende und abzubildende und den Gestus des Herstellens auszuloten.
Auch im Hinblick darauf, was erlaubt, um Wünsche vor-, Differenzen dar- und Behauptungen aufzustellen, ohne vorrangig etablierte Geschlechterkategorien zu bestätigen.

Mit
Stefanie Bentrup :: bildwechsel :: Monika Dillier :: Ines Doujak :: Durbahn :: Antke Engel :: Karin Erni :: Wiebke Frieß :: Do Gerbig :: Janna Joke Janssen :: Janina Johannsen :: KAP (www.lodypop.ch) :: Melani Klaric :: Karin Kröll :: Muda Mathis :: Elke aus dem Moore :: Jim Osthaarchic :: Jenni Ramme :: Chris Regn :: Christina Schäfer :: Fender Schrade :: Luise Stein :: Yam :: Marianne Wex :: Sus Zwick und Beteiligten des Workshops „queer Kunst machen“ und aus der „Sammlung Helga Broll“

Der Workshop und die Präsentation sind Teil eines Veranstaltungskonglomerats organisiert vom Institut für Queer Theory , PD Dr. Susanne Krasmann, bildwechsel, Galerie Broll,
Stefanie Bentrup, Wiebke Frieß, Do. Gerbig, Claudia Jachnik, Janna Joke Janssen, Janina Johannsen, Melani Klaric, Karin Kröll.




Veranstaltungen ::

Fr.-So. 27-29. April
Queer Kunst Machen
Workshop bei Helga Broll neben BILDWECHSEL
Kirchenallee 25, Hamburg Hauptbahnhof
Anmeldung: hb@galerie-broll.com


Filmabend, Sa, 12. Mai 2007, ab 20.00 Uhr
FILMPROGRAMM
* Die gefühlte Hose
Metropolis Kino, Dammtorstr. 30a, Neustadt


Mo. 14. Mai, 20.00 h
Queer Monday
Performanceprogramm mit Evi Nic und C, Bounty und Band
Buttklub, Hafenstraße 126, St. Pauli


Präsentation von Mi. 16. Mai – Mo. 30. Mai 2007
Behauptungen ausstellen :: Haltungen einnehmen :: Strike a pose!
Eröffnung 16 Mai 19h
Öffnungszeiten:
Donnerstag 12 – 20h und Freitag, Samstag, Sonntag von 14 – 17h
Helga Broll neben BILDWECHSEL
Kirchenallee 25, Hamburg Hauptbahnhof


Fr 18. Mai, 18.30 Uhr
Vortrag (in englischer Sprache)
Judith Butler
Sexual Politics, Torture, and Secular Time
Universität Hamburg, Hauptgebäude, Hörsaal A, Edmund-Siemers-Allee 1, Hamburg Dammtor


Sa 19. Mai 2007, 10.30 - 20.00 Uhr
Workshop (in deutscher Sprache)
Antke Engel, Susanne Krasmann, Do. Gerbig
Queer, Sexualpolitiken und der MenschenrechtsdiskursKo-Stelle, Rothenbaumchausse 19, 1. Stock





ausführliche Infos ::



Fr.-So. 27-29. April
Queer Kunst Machen
Workshop bei Helga Broll neben BILDWECHSEL



*Kategorien schränken uns ein, aber gleichzeitig sind wir von ihnen angezogen, produzieren neue, kaum dass wir alte losgeworden sind, und versammeln uns in ihnen.
Der Workshop findet im Vorfeld der Ausstellung "Behauptungen aufstellen :: Haltungen einnehmen :: Strike a pose!" statt und bietet Künstler_innen die Möglichkeit, ein Wochenende lang in kooperativen Praxen den Ausstellungsraum unter dem Motto "queer kunst machen" einzunehmen und auf die öffentliche Präsentation hin zu gestalten. Queer arbeitet in diesem Zusammenhang an Behauptungen und Kategorien, an Haltungen und Posen.
Behauptungen und Kategorien funktionieren als normative Regulierungen, als Grenzzäune und Ausschlussrezepte, aber auch als mögliche gemeinsame Positionen, als Anrufungen, Einladungen und Aufenthaltsräume. Sie sind ein wichtiger Modus, um Körper in die Zweigeschlechtlichkeit hinein zu locken, hinein zu zwingen: Sie regen an Haltungen einzunehmen, zu posieren. Behauptungen und Haltungen inszenieren gemeinsam Verhältnisse von Zeichen, Körper und Raum. Räume und Körper werden damit zum Material, an dem sich Normen und Gewalt, aber auch Strategien des Scheiterns, des Unterlaufens, der Mis-Identifikationen vollziehen. Und sie fungieren als Fetische dissidenten Begehrens.

„Queer Kunst Machen“ bezieht sich auch auf Fragestellungen die sich aus dem Workshop "Queere Kunst. Theorie. Politik"! initiiert von Renate Lorenz Christine Campe, Inken Holtmann, Sonja Mönkedieck, Yara Spaett, Wibke Straube, Tim Stüttgen, Christiane Wehr der im April 2006 an der HfbK Hamburg stattfand, entwickelt haben

Anmeldung: hb@galerie-broll.com




Filmabend, Sa, 12. Mai 2007, ab 20.00 Uhr
FILMPROGRAMM
* Die gefühlte Hose
Metropolis Kino, Dammtorstr. 30a, Neustadt

Wir laden ein zu einem, von persönlichen Vorlieben geleiteten Programm mit Filmen und Videos, in ganzer Länge und in Ausschnitten, moderiert und kommentiert von 6 verschiedenen SpezialistInnen von bildwechsel und den lesbisch schwulen Filmtagen. mit Vorstellungen von der "virilen Frau" und verschiedenen Maskulinitäten füllen sich Rollen und Bänder die uns gefallen. Dort sind unterschiedlichste Inhalte, Erzählungen, Gefühlslagen und moralische Vorstellungen am Start. Unsere Emotionen kochen. wir zeigen euch was uns bewegt.
bildwechsel und die lesbisch schwulen Filmtage
präsentieren das doublefeature "Hosen"

(1) die Hosenrolle - ein Format
in Film, Oper und Theater
20 uhr

(2) die gefühlte Hose
21.15



Fr 18. Mai, 18.30 Uhr
Vortrag (in englischer Sprache)
Judith Butler
Sexual Politics, Torture, and Secular Time
Universität Hamburg, Hauptgebäude, Hörsaal A, Edmund-Siemers-Allee 1, Hamburg Dammtor

Die westlichen Gesellschaften der Gegenwart sind, so Judith Butlers Ausgangsthese, trotz der gesellschaftlichen Aneignung feministischer Perspektiven und queerer Geschlechterpolitik, nach wie vor von dem modernen Selbstverständnis heterosexueller Normativität geprägt. Dieses „sekuläre“ Selbstverständnis mündet nicht nur in einen stillschweigenden Rassismus in der Migrationspolitik, vielmehr schreibt es sich auch in die Sicherheitspolitik ein und motiviert eine Praxis der Folter.



Sa 19. Mai 2007, 10.30 - 20.00 Uhr
Workshop (in deutscher Sprache)
Antke Engel, Susanne Krasmann, Do. Gerbig
Queer, Sexualpolitiken und der MenschenrechtsdiskursKo-Stelle, Rothenbaumchausse 19, 1. Stock

Der Workshops befasst sich mit der ambivalenten Politik der Menschenrechte, insbesondere im Hinblick auf Sexualpolitiken und die Anfechtung heteronormativer Geschlechterverhältnisse. Die Menschenrechte sind keine voraussetzungslosen oder unhinterfragbaren Gegebenheiten, sondern – immer vorläufiges – Ergebnis fortdauernder politischer Kämpfe. Deshalb möchten wird den Menschenrechtsdiskurs als politisches Instrument verstehen und analysieren. Das bedeutet auch, sich kritisch mit der eurozentristischen Geschichte der Menschenrechte zu befassen und die rassistische Gewalt herauszustellen, die unter Berufung auf die Menschenrechte verübt wird, und die von zivilisatorischen Missionen bis zu militärischen Interventionen reicht. Zugespitzt ließe sich fragen: Unter welchen Umständen wird der Menschenrechtsdiskurs selbst zu einer Menschenrechtsverletzung?

Aus queerer Sicht werden einerseits das zumeist heteronormative Menschenbild sowie die verborgenen Machtpolitiken und der Universalismus des Menschenrechtsdiskurses problematisiert. Andererseits hat die Berufung auf Menschenrechte in den weltweiten Frauen- und Homobewegungen eine lange Tradition und auch im Kontext der Intersexualitäts- und Transgender-Bewegungen erscheint sie als wichtiges Instrument, um gegen die rechtlichen, medizinischen und sozialen Praxen der Zurichtung im Sinne der Zwei-Geschlechter-Ordnung vorzugehen. In welchem Verhältnis stehen diese Strategien zu dem queeren Anspruch, die Regimes normativer Heterosexualität und rigider Zweigeschlechtlichkeit in Frage zu stellen, ohne dabei erneut normative Zuschreibungen und Ausschlüsse, Hierarchisierungen und Normierungen zu produzieren? Kann es queere Menschenrechtspolitiken geben – und wenn ja, wie könnten diese aussehen?

Transgender- und Intersexualitätspolitiken fordern den Menschenrechtsdiskurs auf besondere Weise heraus, da sie die Zweigeschlechtlichkeit in Frage stellen, die als unreflektierte Prämisse auch in den Menschenrechtsdiskurs einfließt. Hierbei verwebt sich das rechts- mit einem repräsentationspolitischen Problem, denn es fragt sich, wie Darstellungen von Körpern und Subjektivitäten entworfen werden können, die nicht der Zwei-Geschlechter-Norm verpflichtet sind. Sind Menschenrechtspolitiken auf eine Politik der Sichtbarkeit angewiesen, die Bilder von KörperSubjektivitäten reproduziert, die ihrerseits Integrität verletzen bzw. normalisierend wirken? (Reproduzieren Menschenrechtspolitiken Bilder von KörperSubjektivitäten, die ihrerseits Integrität verletzen bzw. normalisierend wirken?) Kann eine queere Menschenrechtspolitik durch Repräsentationsstrategien unterstützt werden?

Veranstaltet vom Institut für Queer Theory (Dr. Antke Engel, Hamburg/Berlin) in Zusammenarbeit mit PD Dr. Susanne Krasmann (Institut für Kriminologie, Universität Hamburg) und Do. Gerbig (Universität Hamburg)

Anmeldung: mailto:mail@queer-institut.de